Zahlen zu Cyberangriffen werden oft ohne ihren genauen Umfang zitiert. Ein vom BSI erfasster Sicherheitsvorfall, eine Befragung von Geschäftsführungen und eine Schadensschätzung eines Verbands messen nicht dieselbe Realität.
Die 2025 veröffentlichten Daten zeigen dennoch einen gemeinsamen Trend: Kleine und mittlere Unternehmen bleiben besonders exponiert, während viele von ihnen ihr eigenes Schutzniveau überschätzen.
Für ein KMU zählt nicht eine einzelne isolierte Prozentzahl. Wichtig ist zu verstehen, welche Angriffsarten am häufigsten vorkommen, welche Maßnahmen noch wenig verbreitet sind und welche Folgen im eigenen Umfeld zu erwarten sind.
Dieser Ratgeber bündelt die aktuellsten verfügbaren offiziellen Kennzahlen. Jede Zahl wird in ihren Kontext eingeordnet, um übertriebene Schlüsse oder unmögliche Sicherheitsversprechen zu vermeiden.
Rund 80 % der gemeldeten Vorfälle betreffen KMU
Der BSI-Lagebericht 2025 (Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025) stellt fest, dass sich rund 80 Prozent der dokumentierten Angriffe gegen kleine und mittlere Unternehmen richteten. Als Gründe nennt das BSI oft fehlende finanzielle und personelle Ressourcen sowie mangelndes Fachwissen für ausreichenden Schutz.
Gleichzeitig verlagert sich die Angreiferstrategie: weg von wenigen komplexen Großangriffen hin zu zahlreichen kleineren, leicht umsetzbaren Attacken.
KMU erfüllen im Schnitt nur rund 56 % der IT-Grundanforderungen
Laut BSI-Lagebericht 2025 erfüllen kleine und mittlere Unternehmen im Durchschnitt nur etwa 56 Prozent der grundlegenden IT-Sicherheitsanforderungen und überschätzen dabei häufig ihr eigenes Schutzniveau. Betreiber Kritischer Infrastrukturen etablieren dagegen zunehmend robustere Managementsysteme.
Diese Lücke erklärt teilweise, warum KMU trotz geringerer Ressourcen zum bevorzugten Ziel werden: Angreifende folgen dem Verhältnis von Aufwand zu Ertrag, nicht der Bekanntheit eines Unternehmens.
119 neue Schwachstellen pro Tag
Im Berichtszeitraum des BSI-Lageberichts 2025 wurden durchschnittlich 119 neue IT-Sicherheitslücken pro Tag registriert — ein Anstieg von rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 2022 waren es noch 68 pro Tag, 2023 78 und 2024 96.
Diese wachsende Zahl bedeutet, dass ein einmal abgeschlossenes Update-Management nicht ausreicht: Die Überwachung neuer Schwachstellen muss kontinuierlich erfolgen.
950 dokumentierte Ransomware-Angriffe, mehrheitlich gegen KMU
Der BSI-Lagebericht 2025 dokumentiert 950 Ransomware-Angriffe im Berichtszeitraum, die Mehrheit davon gegen kleine und mittlere Unternehmen. In rund 80 Prozent dieser Vorfälle wurden Daten gestohlen oder deren Veröffentlichung angedroht — Ransomware ist damit längst nicht mehr nur ein Verschlüsselungsproblem.
87 % der deutschen Unternehmen von Diebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen
Die Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2025" (repräsentative Befragung von 1.002 Unternehmen ab 10 Beschäftigten und mindestens 1 Million Euro Jahresumsatz, Befragungszeitraum Kalenderwochen 16–24/2025) beziffert den Anteil betroffener Unternehmen auf 87 Prozent — nach 81 Prozent 2024 und 72 Prozent 2023.
Der Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft erreichte 2025 rund 289,2 Milliarden Euro, davon rund 70 Prozent (202,4 Milliarden Euro) durch Cyberangriffe im engeren Sinn.
Ransomware als teuerste Einzelbedrohung
Innerhalb der Cyberangriffe verursachte Ransomware laut Bitkom bei 34 Prozent der befragten Unternehmen einen Schaden — vor DDoS-Angriffen (25 Prozent) und Malware (24 Prozent). 15 Prozent der Unternehmen haben bereits ein Lösegeld an Erpressende gezahlt.
73 Prozent der Unternehmen registrierten in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme von Cyberangriffen; nur die Hälfte fühlt sich auf einen solchen Angriff vorbereitet.
Welche Daten am häufigsten gestohlen werden
Unter den von Spionage betroffenen Unternehmen wurden laut Bitkom am häufigsten Kommunikationsdaten (69 Prozent), Kundendaten (57 Prozent) und Finanzdaten (39 Prozent) entwendet. Geistiges Eigentum betraf 29 Prozent, Zugangsdaten und Passwörter 27 Prozent, Beschäftigtendaten 24 Prozent.
Bei 62 Prozent wurde digitale Kommunikation wie E-Mails oder Videokonferenzen sicher oder vermutlich ausgespäht — ein Hinweis darauf, wie zentral Mailbox- und Kommunikationssicherheit für die Prävention sind.
Wie diese Zahlen ein KMU nutzen sollte
Statistiken dienen dazu, die richtigen Fragen zu stellen, nicht eine individuelle Wahrscheinlichkeit zu berechnen. Ein Unternehmen sollte seine eigenen Abhängigkeiten prüfen: Mailbox, Fachsoftware, Dienstleister, Fernzugang, Backups und Kundendaten.
- Administratorkonten und Wiederherstellungsmittel überprüfen;
- eine Wiederherstellung an einer repräsentativen Stichprobe testen;
- die im Alarmfall zu kontaktierende Person identifizieren;
- Dienstleisterzugänge dokumentieren;
- eine unabhängige Validierung von Überweisungen und Bankverbindungsänderungen organisieren.
Fazit
Die Daten 2025 bestätigen, dass deutsche KMU im Zentrum der Bedrohungslage stehen: hohe Betroffenheit, wachsende Schwachstellenzahl und ein Schutzniveau, das im Schnitt unter den Grundanforderungen bleibt.
Ein Unternehmen gewinnt wenig, sich allein an einem Durchschnittswert zu messen. Es macht Fortschritte, wenn es diese Trends in überprüfbare, an seine Werkzeuge, Verträge und Wiederanlauffähigkeit angepasste Prioritäten übersetzt.
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Zum FormularHäufige Fragen
Welcher Anteil deutscher Unternehmen war 2025 von Cyberangriffen betroffen?
Laut Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2025" waren 87 Prozent der befragten Unternehmen von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen.
Welcher Anteil der BSI-Vorfälle betrifft KMU?
Der BSI-Lagebericht 2025 beziffert dies auf rund 80 Prozent der dokumentierten Vorfälle.
Wie viele Sicherheitslücken werden täglich entdeckt?
Im Berichtszeitraum des BSI-Lageberichts 2025 waren es durchschnittlich 119 neue Schwachstellen pro Tag.
Wie hoch ist der durch Cyberangriffe verursachte Gesamtschaden?
Laut Bitkom entfielen 2025 rund 202,4 Milliarden Euro der 289,2 Milliarden Euro Gesamtschaden der deutschen Wirtschaft auf Cyberangriffe im engeren Sinn.
Konsultierte offizielle Quellen
Quellen geprüft am 24. August 2026. Genannte Organisationen und Studien können aktualisiert werden.
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